Regionalpolitik in Österreich

Vielfältige Herausforderungen

Die österreichische Geographie weist eine Reihe von Besonderheiten auf, welche die Regionalentwicklung maßgeblich beeinflussen:

  • Ein großer Teil des Staatsgebiets entfällt auf Berggebiete (Alpen, Böhmische Masse). Das erschwert die Verkehrserschließung und stellt höhere Anforderungen an die ökologische Verträglichkeit der wirtschaftlichen Entwicklung.
  • Bevölkerung und wirtschaftliche Aktivitäten sind sehr ungleichmäßig verteilt: Der dominierende Ballungsraum Wien liegt am Rande des Staatsgebiets. Die Zahl anderer größerer Städte ist beschränkt, der Anteil ländlicher Gebiete mit einer relativ geringen Bevölkerungsdichte ist sehr hoch.
  • Alle größeren Ballungsräume liegen nahe den Staatsgrenzen. Grenzüberschreitende Beziehungen sind daher für die regionale Entwicklung von besonderer Bedeutung.
Grafik der größeren Städte in Mitteleuropa, dargestellt von verschieden großen, roten Quadraten, abhängig von der Bevölkerungszahl.

Städte in Mitteleuropa

© EuroGeographics 2001

Der EU-Beitritt Österreichs 1995, die grundlegenden wirtschaftlichen und politischen Änderungen in Mittel- und Osteuropa sowie zuletzt die EU-Osterweiterung haben den Rahmen für die regionale Entwicklung in Österreich völlig verändert. Der europäische Integrationsprozess geht aber weiter, ebenso die zunehmende Internationalisierung beziehungsweise Globalisierung. Damit werden auch Migration und Integration von Menschen anderer kultureller Herkunft zu Themen, mit denen sich auch die Regionalpolitik beschäftigen muss. Zudem stellt der demographische Wandel (Überalterung der Bevölkerung) auch in Österreich die Regionen – in unterschiedlicher Weise - zukünftig vor neue Herausforderungen. Hinzu kommen neue globale Herausforderungen, wie zum Beispiel Klimawandel, Knappheit fossiler Energieträger, auf die es auch in der Regional- und Raumordnungspolitik zu reagieren gilt.

Regionalpolitik

Aufgrund der Änderungen bei den Herausforderungen in den letzten Jahrzehnten bildeten sich auch neue Schwerpunkte in der österreichischen Regionalpolitik:

  • Stärkung der Wissensbasis und Innovationskraft von Unternehmen, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen.
  • Erleichterung grenzüberschreitender und international ausgerichteter Wirtschaftsaktivitäten, insbesondere die Strukturanpassung von Unternehmen in Grenzregionen, die neue Entwicklungschancen vorfinden, aber aufgrund des beträchtlichen Kosten- und Fördergefälles zu den neuen EU-Mitgliedsstaaten einem verstärkten Wettbewerb ausgesetzt sind.
  • Steigerung der Ressourcen- und Energieeffizienz, insbesondere der Einsatz erneuerbarer Energien und neuer Technologien sowie von Umweltinvestitionen im Unternehmensbereich und im öffentlichen Sektor
  • Chancengleichheit, insbesondere die durchgängige Anwendung des Prinzips der Gleichstellung von Frauen und Männern (Gender Mainstreaming) sowie die Steigerung der Anpassungsfähigkeit und Qualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die auch die Unternehmen einschließt.

Die Politik zielt darauf ab, dass Österreich den Übergang auf eine wissensbasierte Ökonomie und Gesellschaft auf breiter Front gestaltet und ausbaut. Neue Wachstumsmuster, die stärker auf der Vernetzung von Wissen und Marktzugängen basieren und in die neuen EU-Mitgliedstaaten hineinragen, treiben die Entwicklung in Österreich an. Der Regionalpolitik in Österreich liegt ein breiter Innovationsbegriff zugrunde, der sowohl technologische als auch soziale, organisatorische, logistische, finanz- und personalwirtschaftliche, vermarktungsrelevante und designorientierte Innovationen einschließt.
Die Einbindung der österreichischen Regionen in EU-weite Kooperationsnetzwerke ist dabei wichtig. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Anbindung und Integration von wirtschaftlich schwächeren Regionen an die Zentren der Innovations- und Forschungsaktivitäten.

Instrumente der Regionalpolitik

Das Instrumentarium zur Beeinflussung regionaler Entwicklungsprozesse umfasst keineswegs nur regionale Wirtschaftsförderung und Infrastrukturausbau, sondern auch Bereiche wie zum Beispiel Innovationspolitik, Stadterneuerung, Umweltverbesserungen oder Bildungspolitik. Bereits seit den 1980er Jahren werden in Österreich folgende Instrumente eingesetzt und schrittweise verbessert:

  • regionale Beratungsstellen für kleine und mittlere Unternehmen, Landwirte, lokale Behörden und regionale Entwicklungsinitiativen – Regionalmanagements
  • Innovations- und Technologiezentren
  • Umfassende Umschulungsprogramme für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen unter anderem bei Betriebsschließungen
  • Ab Ende der 1990er Jahre: Netzwerke für den Informations- und Erfahrungsaustausch